Ferdinand Verbiest - Missionare als Ingenieure
die Erfindung des Automobils (1678)



Europäische Technik in China

China verdankt die Kenntnis der europäischen Technik vor allem den Missionaren. Bereits Matteo Ricci hatte am Kaiserhof Erstaunen durch den Bau astronomischer Instrumente erregt, eine Aufgabe, die auch seinen Nachfolgern zufiel. 1627 erschien Johannes Schrecks qiqi tushuo. 1634 konstruierten der Kölner Adam Schall und der Italiener Jacobus Rho das erste galileische Fernrohr in China.

 

 

Kanonen

Doch die Kaiser interessierten sich auch brennend für ein anderes Wissensgebiet der friedfertigen Patres: für die europäische Waffentechnik. Es half dem letzten Kaiser der zusammenbrechenden Ming Dynastie freilich nicht mehr, dass Adam Schall 1642 für den Rest der kaiserlichen Armee 100 Kanonen goss. Nicht weniger geschätzt waren die europäischen Kanonen von den folgenden Mandschu Herrschern. 1674 beauftragte Kaiser Kangxi den belgischen Missionar Ferdinand Verbiest (1623- 1688) mit der Produktion von 680 Geschützen.

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Verbiest - ein Universaltalent

Wie seine Vorgänger Ricci, Schreck und Schall war auch Verbiest ein Wunder an vielfältigen Talenten. Er verkündete nicht nur das Evangelium, goss Himmelssphären und Kanonen, er berechnete auch Finsternisse, vollendete die Kalenderreform, gab eine Weltkarte heraus, verfasste Bücher über Kartographie und Astronomie, schrieb eine Grammatik der mandschurischen Sprache und malte für den Kaiserhof Bilder im europäischen Stil.

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Das erste "Automobil"

Eines schönen Tages 1678 kam ihm die Idee, ein missionarisches Hilfsmittel ganz besonderer Art zu entwickeln: Mehr als 200 Jahre vor Carl Benz und Gottlieb Daimler konstruierte er einen Wagen, der von einer Maschine angetrieben wurde, das erste "Automobil". Der "Motor" war eine mit Wasser gefüllte Metallkugel, an die oben eine Düse angebracht war. Wurde die Kugel erhitzt, schoss ein Dampfstrahl aus der Düse. Der Dampf strömte tangential auf ein waagrecht liegendes Turbinenrad und setzte es in Bewegung. Dieses Rad war über ein einfaches Getriebe mit der Vorderachse verbunden.

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Ein prophetischer "Missionsbericht"

Bereits vor drei Jahren, als ich die Kräfte der Dampfkugel untersuchte, ließ ich einen zwei Schritt langen Wagen aus leichtem Holz herstellen, der auf vier Rädern leicht beweglich war. In seine Mitte stellte ich ein Gefäß mit brennenden Kohlen und darauf setzte ich die Dampfkugel ... (Der Wagen konnte) eine Stunde und länger (so lange nämlich der Wind heftig aus der Dampfkugel austrat) in nicht gerade langsamer Bewegung bleiben.

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Der Erfinder fügte hinzu: Man kann sich leicht viele andere Möglichkeiten vorstellen, sich ihrer [d.i. der Motoren] zu bedienen. Wie wird wohl der Papst diesen wahrhaft prophetischen "Missionsbericht" beurteilt haben?

 

Ausstellung in der Bibliothek der Fachhochschule Konstanz 2000-2001