Das 'Nestorianische Denkmal'
Frühe christliche Gemeinden in China im 7. Jahrhundert


 

 

Zu den interessantesten Dokumenten unserer Ausstellung zählt die europäische Erstveröffentlichung der Texte des sogenannten Nestorianischen Denkmals.

Eine rätselhafte, alte Steintafel

1625 wurde südwestlich der alten Kaiserstadt Xian bei Ausgrabungen ein Denkmal in Form einer Steintafel freigelegt, das dort zur Zeit der Tang-Dynastie im Jahr 781 errichtet worden war. Eine der Inschriften war eine ausgezeichnete chinesische Kalligraphie, die andere ein Text in einer in China unbekannten Schrift. Das Denkmal erregte unter den chinesischen Gelehrten lebhaftes Interesse, doch niemand verstand den Inhalt der Schrift, die den Titel trug: "Denkmal zum Preise der Verbreitung der Erlauchten Religion im Reiche der Mitte".

Die Überraschung: eine christliche Inschrift

Ein chinesischer Freund Matteo Riccis, war wohl der erste Christ, der das Denkmal zu Gesicht bekam und zwischen der Inschrift und dem Christentum einen Zusammenhang vermutete. Er verfertigte eine Abschrift und schickte sie an die Jesuiten in Hangzhou. Mühelos erkannten diese, dass die "Erlauchte Religion" tatsächlich das Christentum war.

 

    

Eine Mission aus dem Anfang des 7. Jahrhunderts

Der Text berichtet, dass eine von dem Mönch O-lo-pen geführte Mission durch die besondere Gunst des regierenden Monarchen im Jahr 635 einen "offiziellen und ruhmreichen" Einzug in die Hauptstadt gehalten hat. Später wurde klar, dass es sich um eine nestorianische Mission (benannt nach dem Patriarchen Nestorius von Konstantinopel, um 430) gehandelt hatte, die im 7. Jahrhundert von Syrien aus entlang der Seidenstraße nach China gekommen war. Der Konstanzer Gelehrte Johannes Schreck erkannte, dass die fremde Schrift 63 syrische Namen von Geistlichen waren.

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Athanasius Kirchers Veröffentlichung und Kommentierung

1667 veröffentlichte der sächsische Jesuit und Universalgelehrte Athanasius Kircher (1601-1690) in Amsterdam den chinesischen und syrischen Text in seinem Buch "China Illustrata" zusammen mit einer wörtlichen und einer freien Übersetzung ins Lateinische. Die sorgfältige Interpretation und Übersetzung der Texte war eine der ersten Meisterleistungen der Sinologie.

 

Erstaunen und Zweifel in Europa

Die Veröffentlichung erregte größtes Erstaunen und gab der chinesischen Sprachforschung und dem Interesse an China in Europa einen bedeutenden Anstoß. Sie erregte aber auch Zweifel an der Echtheit der Texte. Eine lächerliche Fälschung ..., eine absurde Lüge ..., ein frommer Betrug, spottete der französische Schriftsteller und Aufklärer Voltaire (1694-1778), der es wie viele andere Gelehrte für völlig unglaublich hielt, dass im 7. und 8. Jahrhundert in China schon blühende Christengemeinden bestanden hatten.

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Ausstellung in der Bibliothek der Fachhochschule Konstanz 2000-2001