Frühe Werke der Missionare, Kaufleute und Gesandten über China vom 16. bis zum 18. Jahrhundert


Berichte und Briefe von Missionaren, später auch von Händlern und Naturforschern, vermittelten den erstaunten Europäern immer mehr Kenntnisse über das chinesische Kaiserreich und seine alte, fremdartige Kultur. Die Schriften Johannes von Mendozas (deutsch 1589), Matteo Riccis (1615), Martino Martini (1655), Athanasius Kircher (1667) und Jean Baptiste Du Haldes (1736) bezeichnen wichtige Stufen in der Erweiterung des europäischen Wissens über China

 
 

Johann von Mendoza: Kurtze, doch wahrhaftige Beschreibung des gar Großmächtigen, weitbegriffenen bishero unbekannten Königreichs China ... Franckfurt am Mayn ... Im Jahr 1589

Der Autor der ersten systematischen "Landeskunde" Chinas, der spanische Augustinermönch J. v. Mendoza, war 1580 auf dem Weg nach China, hat es aber nie betreten. Seine Quellen sind u.a. Berichte des Augustiners Martin de Rada, der 1575 die erste spanische Gesandtschaft nach China geleitet hatte, Jesuitenbriefe und erste chinesische Bücher, die nach Spanien und Rom gelangt waren.

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Matthaeus Dresserus: Historien und Bericht, von dem newlicher Zeit erfundenen Königreich China, ... Leipzig 1597

Dresser, der Sprachen und Historien Professorn, verwendet als Quelle die ersten drei Bücher von Mendoza. Interessant ist die folgende Angabe: Es ist ein gemeiner Wahn, dass der Truck in Europa erfunden worden sey, im Jahr unser Heils 1458. durch Geschicklichkeit eines Teutschen, Johan Gutenberg genant, ... Die in China aber sagen, die Kunst habe bey ihnen angefangen, und hab sie einer erfunden, den ehren sie wie einen Heiligen ...

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Historischer Bericht, was sich in dem grossen, und nun je lenger je mehr bekandten Königreich China in verkündigung deß H. Euangelij ... von 1604. und volgenden Jaren denckwürdigs zugetragen ... Augsburg 1611.

Das Buch wurde Auß Portugesischen zu Lisabona gedruckten Exemplaren ins Teutsch gebracht. Portugiesisch war in den ersten Jahrzehnten des 17. Jhds. Neben Latein die wichtigste Sprache der Chinamissionare, die von Lissabon aus nach Ostasien und von dem portugiesischen Macao ins Landesinnere zogen.

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Niklaas Trigault: De Christiana Expeditione apud Sinas suscepta ab Societate Jesu Ex P. Mattei Riccii ... Commentariis ...(Über die christliche Mission der Gesellschaft Jesu bei den Chinesen nach den Berichten des Paters Matteo Ricci), Augsburg 1615

Der belgische Pater Trigault (1577-1628), seit 1614 Freund und Reisegefährte Johannes Schrecks, berichtet hier über die Ereignisse der Jahre 1610-1611 in China an den Ordensgeneral Claudio Aquaviva. Eine der Neuigkeiten war der Tod des Pioniers der Chinamission Matteo Ricci (gest. 1610), dessen Bericht über die chinesische Mission den Hauptteil des Buches bildet.

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Niklaas Trigault: Historia von der Einführung der Christlichen Religion in das große Königreich China durch die Societet Jesu ... Aus dem Lateinischen ... Augsburg 1617.

Das Buch ist die Übersetzung des obigen "De Christiana Expeditione ...". Solche Jahresberichte gehören zu den wichtigsten Quellen über China mit landeskundlichen und zeitgeschichtlichen Informationen. Diese und andere Übersetzungen in die Volkssprachen zeigen das große Interesse, das die Nachrichten aus China in Europa erregten.

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Novus Atlas sinensis, a Martino Martinio S.I. descriptus ... (Neuer chinesischer Atlas, verfasst von Martin Martini, S.J.), Amsterdam 1655.

Dieser Atlas gehört zu den größten kartographischen Leistungen des 17. Jahrhunderts. Das Werk beginnt mit einer Vorrede Martinis, die einen Überblick über China gibt und eine Gesamtkarte Chinas bietet. Danach folgen u.a. die Beschreibungen der einzelnen Provinzen mit den jeweiligen Karten, ein Anhang über das Königreich Japan und Martinis Geschichte des tartarischen Krieges, der die Eroberung Chinas durch die Mandschus 1644 schildert. Martini (1614-1661) stammt aus dem damals österreichischen Trient in Südtirol.

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Athanasii Kircheri e Soc. Jesu China monumentis qua sacris qua profanis ... illustrata ... (Athanasius Kircher, S.J., China, illustriert in seinen heiligen und weltlichen Denkmälern), Amsterdam 1667.

Das Werk bedeutet nach dem Novus Atlas sinensis einen weiteren Meilenstein in der europäischen Chinakenntnis. Es enthält Berichte über die Geschichte der Mission (u.a. eine ausführliche Würdigung des Konstanzer Wissenschaftlers J. Schreck), über Natur- und Landeskunde und die chinesische Schrift. Einen besonderen Wert hat das Werk durch die Wiedergabe der berühmten nestorianischen Inschrift von Xian gewonnen. Kircher wurde 1601 in Geisa bei Fulda geboren. Von 1634 bis 1680 wirkte er in Rom als Professor für Mathematik, Physik und orientalische Sprachen. In China war er nicht.

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Horatio Tursellino: Apostolisches Leben und Thaten deß heiligen Francisci Xaverii, der Societet Jesu, Indianer Apostels. München 1674

Franz Xaver (1506-1552), Mitbegründer des Jesuitenordens und "Apostel Indiens und Japans", wirkte in Madras, Goa, den Molukken und Japan. Er gilt als einer der bedeutendsten Missionare und als Pionier der katholischen Ostasienmission. Beim Versuch, das Christentum nach China zu bringen, starb er 1552 auf einer Insel vor Kanton. 1622 wurde er heilig gesprochen. Das Bild zeigt den sterbenden Missionar.

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Gedenkwürdige Verrichtung der niederländischen Ost-Indischen Gesellschaft in dem Käiserreich Taising oder Sina ..., Amsterdam 1676.

Der Verfasser des Werkes ist Olfert Dapper (+1690), ein niederländischer Arzt, der sich für ferne Länder sehr interessierte und alles erreichbare Material darüber sammelte. Dappers Werk betrifft die zweite (1662) und dritte (1664) holländische Gesandtschaft nach China und ist durchgehends das gantze Werck mit viel schönen Kupferstücken gezieret. Die künstlerisch hochwertigen Kupferstiche zeigen zum ersten Mal in Europa zahlreiche chinesische Landschaften und Städte.

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Confucius Sinarum philosophus, sive scientia sinensis latine exposita ... (Konfuzius, der Philosoph der Chinesen, oder die chinesische Weisheit in lateinischer Sprache dargelegt ...), Paris 1687

Dieses Buch bringt erstmals die ersten drei der konfuzianischen vier Bücher in lateinischer Übersetzung heraus. Es ist ein Gemeinschaftswerk mehrerer Jesuiten, an dem der Belgier Pater Philipp Couplet (1622-1693) den größten Anteil hat. Von ihm stammen u.a. der einleitende Brief an König Ludwig XIV. und die lange Einführung über den Ursprung des Werks und die Bedeutung der klassischen Bücher.

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Description géographique, historique, chronologique, politique, et physique de l'empire de la Chine et de la Tartarie chinoise ... par le P. J. B. Du Halde ..., Den Haag 1736.(Geographische, historische, chronologische, politische und physische Beschreibung des Kaiserreichs China und der chinesischen Tartarei ... von Pater Jean Baptiste Du Halde)

Du Halde (1674-1743) hat seine umfangreiche Chinabeschreibung aus den Berichten seiner Ordensbrüder zusammengestellt. Das vierbändige Werk wurde schnell das Handbuch über China bis in das 19. Jahrhundert und in das Englische, Deutsche und Russische übersetzt.

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Brief, Schriften und Reise=Beschreibungen, welche von den Missionariis der Gesellschaft Jesu aus beiden Indien, und anderen über Meer gelegenen Ländern, meistenteils von anno 1730. bis 1740. in Europa angelangt seynd ... Zusammengetragen von Francisco Keller, ... Wien in Österreich 1755

Diese mehrbändige Briefsammlung stammt aus einer Zeit, in der die christliche Mission in China durch den Ritenstreit und den ... rauhen Wind der Verfolgung ... in einer schweren Krise war. ... die traurige Umständ, so berichtet der deutsche Missionar Ignatius Kögler 1738, in welchen sich die Christenheit dieses Reichs annoch befindet, gestatten mir nicht, daß ich erwünschtere Nachrichten ... den Europäern mitteile.

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Voyage dans l'Interieur de la Chine, et en Tartarie; Fait dans les Années 1792, 1793 et 1794, par Lord Macartney, Ambassadeur du Roi d'Angle-terre auprès de l'Empereur de la Chine ... Paris 1798.

Der Bericht über die Gesandtschaft des englischen Königs, zusammengestellt nach den Papieren des Gesandten Lord Macartney von dem Sekretär Sir George Staunton (hier in französ. Übersetzung). Interessant ist die Beschreibung des Hofzeremoniells beim Empfang der Gesandtschaft: ... Alles (fiel) nieder und berührte die Erde mit dem Gesichte. Die englische Gesandtschaft ließ sich bei der Annäherung des Kaisers auf die Knie nieder ..."

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Ausstellung in der Bibliothek der Fachhochschule Konstanz 2000-2001