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Geschenk des Kaisers
Als Pater Matteo Ricci, der
Pionier der Chinamission, am 10. Mai 1610 gestorben war, schenkte der
Kaiser den Missionaren am damaligen Westrand von Peking ein Grundstück und
ein Haus als Wohn und Grabstätte. Dieser Ort trägt den Namen ZHALAN. Mehr
als drei Jahrhunderte lang war Zhalan ein Zentrum der Begegnung
europäisch-christlicher und chinesischer Kultur.
Einrichtungen für Kranke und Waisen
Am Ende des 19. Jahrhunderts befanden sich in Zhalan - nun verwaltet von den
Vinzentinern - neben dem Friedhof ein Krankenhaus, eine Pharmazie, ein Waisenhaus und eine Grundschule.
Am Anfang des 20. Jahrhunderts unterrichteten im neuen Priesterseminar in Zhalan Lehrer aus vielen
Ländern Europas. |
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Verwüstungen im Boxeraufstand
1900 war das Jahr des "Boxeraufstands". Im Juni brachen die ausländerfeindlichen
Rebellen in Zhalan ein, ermordeten alle Bewohner und verwüsteten den Friedhof. Die meisten der teilweise
zerschlagenen Grabsteine wurden 1903 in die Außenwände der neuerbauten Allerheiligenkirche eingelassen. |
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Matteo Ricci, Pionier der China-Mission, am
Kaiserhof "hoch geachtet durch seine Gelehrsamkeit und Tugend" und
durch seine Schriften und Übersetzungen wissenschaftlicher Werke erster
Vermittler zwischen der europäischen und chinesischen Kultur. *1552 in
Macerate, Italien, +1510. |
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Johannes Schreck-Terrentius, ein
"hervorragender Gelehrter auf allen Gebieten der Wissenschaft", Arzt,
Botaniker, Mathematiker und Astronom, leitete die chinesische
Kalenderreform in die Wege. *1576 in Konstanz oder in der Umgebung, +1630. |
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Jacobus Rho, nach Johannes Schrecks Tod
zusammen mit Johann Adam Schall von Bell Mitarbeiter an der
Kalenderreform, *1592 in Mailand, +1638. |
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Johann Adam Schall von Bell, Freund und
Berater des jungen Kaisers Shun-zhi, Mandarin erster Klasse, Leiter des
astronomischen Amtes und mehrere Jahre lang einer der Regenten Chinas.
*1592 in Köln, +1666. |
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Ferdinand Verbiest, Nachfolger Schall von
Bells im astronomischen Amt, Vollender der Kalenderreform und wie sein
Vorgänger hoch geschätzter und vielseitiger Gelehrter und Ingenieur. *1623
in Belgien,+1688. |
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Kilian Stumpf, neun Jahre Direktor des
Astronomischen Amtes, *1655 in Würzburg, +1720. |
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Franz Stadlin, am Kaiserhof beschäftigte er
sich "unermüdlich und mit großem Geschick mit der Herstellung technischer
Geräte". *1658 in der Schweiz, +1740. |
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Ignatius Kögler, Nachfolger von Kilian Stumpf
als Direktor des Astronomischen Instituts, nach dem Urteil des Kaisers
"ein ruhiger und bescheidener Mensch" und "Fachmann in der
Kalenderberechnung", *1680 in Deutschland, +1764. |
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Johann Walter, kam 1742 auf Bitten des
Kaisers "wegen seiner musikalischen Fähigkeiten" nach Peking, *1708 in
Böhmen, +1759. |
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Giuseppe Castiglione, "fünfzehn Jahre lang
wirkte er durch seine Malkunst zur Ehre Europas am Kaiserhof" und machte
hoch angesehen in Peking die europäische Kunst und Architektur bekannt.
*1688 in Mailand, +1766. |
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Johannes Hu, ein Chinese aus Peking, wurde
kurz vor seinem früher Tod in den Jesuitenorden aufgenommen. *1744, +1773. |
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August von Hallerstein, 30 Jahre lang
Direktor des Astronomischen Instituts, Autor astronomischer Werke, "reich
an Verdiensten" und vom Kaiser hoch geschätzt. *1703 in Ljubliana, +1774. |
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Philippus Maria Huang, Chinese aus Peking,
studierte und verbrachte 34 Jahre am "Kolleg der Heiligen Familie" in
Neapel und kehrte 1763 als Missionar nach China zurück. *1711, +1776. |
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Ignaz Sichelbarth, Maler, Nachfolger Castigliones am Kaiserhof, wo er als Direktor der kaiserlichen Malakademie in hohem Ansehen stand und die europäische Malerei in China bekannt machte. *1708 in Neudek (Nejdek) in Nordböhmen, +1780. |
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Ai (Johannes Simonelli), chinesischer Jesuitenpater aus der Jiangxi
Provinz, starb während der Christenverfolgung 1784/85 im Gefängnis. *1716,
+1758. |
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Antoine Chavanne, französischer
Lazaristen-Pater und Lehrer am Priesterseminar in Peking. Während des
Boxer-Aufstands 1900 wurde er verwundet und erlag seinen Verletzungen.
*1862 in Saint Chamond, +1900 |
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Verwüstungen in der Kulturrevolution - Rettung der Grabsteine Riccis, Schalls und Verbiests
Die Roten Garden der Kulturrevolution verwüsteten den Friedhof ein zweites Mal.
Zhalan war damals eine Kaderschule der kommunistischen Partei Pekings. Ehre gebührt einem unbekannten
Hausmeister, der die noch frei stehenden Grabsteine Riccis, Schalls und Verbiests durch eine List gerettet
hat. Im August 1966 stürmten Rote Garden in die Schule und befahlen die Vernichtung der Steine. Der resolute
Hausmeister forderte die jungen Eiferer auf, mit anzupacken, drei Gruben auszuheben und die Steine zu
vergraben. Schwitzend, aber stolz über die vollbrachte Tat verließen sie den Ort der Verwüstung nicht
ahnend, dass sie drei Kulturdenkmäler gerettet hatten. 1973 wurde die Allerheiligenkirche abgerissen und
machte einer Speisehalle Platz. Die einst in die Mauern eingelassenen 77 Grabsteine lagen verstreut auf dem
Gelände. |
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Würdevolle Wiederaufrichtung der Steine
1978 war eine chinesische
wissenschaftliche Delegation zu Gast in Italien. Die Gastgeber äußerten
den Wunsch, für Ricci einen neuen Grabstein anfertigen zu lassen. Sie
wussten nicht, dass der alte wohlbehütet in der Erde lag. Dieser Wunsch
gab den Anstoß zur würdevollen Wiederaufrichtung der Steine in Zhalan.
Kein Geringerer als Deng Xiaoping erteilte seine Zustimmung. |
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Die Grabsteine - Erinnerungen an eine
europäisch-chinesische Begegnung
Heute steht der "Friedhof der Missionare der Ming
und Qing Dynastie" auf der Liste der staatlich geschützten Kulturdenkmäler
Pekings. In einem schattigen Park stehen 63 Grabstelen mit Würdigungen der
verstorbenen Missionare in lateinischer und chinesischer Sprache. Auf den
Kapitellen erkennt man jeweils Skulpturen zweier ineinander verschlungener
Drachen, die das chinesische Kaiserreich bedeuten. Sie spielen mit einer
Perle, einem alten buddhistischen Zeichen für Glück. Die beiden
Drachen umschlingen ein Kreuz und das Monogramm der Jesuiten IHS.
Dieses Zusammenspiel der Symbole europäischen und chinesischen Glaubens in
einem einzigen Bild ist wiederum ein Symbol der Toleranz und der
gegenseitigen Achtung und erinnert bis heute an einen mehr als
dreihundertjährigen
BRÜCKENSCHLAG DER KULTUREN. |
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| Ausstellung in der Bibliothek der Fachhochschule Konstanz 2000-2001 |