Johannes Schreck - Michael Boym
'Flora sinensis' (1656) - die europäische Botanik in China im 17. Jahrhundert



Johannes Schreck - Plinius Indicus

Der bedeutendste europäische Botaniker in China zur Zeit der Jesuitenmission war ohne Zweifel Johannes Schreck. Bereits in Goa in Indien hatte er 500 neue Pflanzen beschrieben. Sein Plan war die Erstellung einer großen Enzyklopädie asiatischer Pflanzen, des Plinius Indicus. Schrecks Reisebriefe zeugen von umfassenden botanischen Kenntnissen, von präziser Beobachtung, und vorsichtigem Urteil:

Präzise Beobachtung

Ich werde einzig von der Vermutung geleitet, dass die chinesischen Pflanzen fast nichts gemeinsam haben mit den Pflanzen der Neuen Welt, soweit ich mich jedoch erinnere, auch nicht mit den indischen, sondern sie sind aus einem mittleren Teil eigener Art, viele sogar europäisch. Dem Namen nach finde ich Plantago (Wegerich), Bursa Pastoris (Hirtentäschel), Violae Martiae (Märzveilchen, Castaneae (Kastanien), Pyrae (Birnen), Nuces Juglandes (Walnüsse), Avellana (Haselnüsse) hier wieder. Eicheln erkenne ich nicht. Zahllos sind die neuen: Wohin ich auch immer blicke, habe ich etwas, was ich bewundere; aber davon ein andermal... (Brief aus Jiading bei Suzhou, 22. Apri1 1622)

 

       

Pater Michael Boym - Flora Sinensis

Es ist zutiefst bedauerlich, dass die zwei "gewaltigen Bände" (so Athanasius Kircher) von Zeichnungen und Beschreibungen des Plinius Indicus, die in der Jesuitenbibliothek in Rom lagen, seit dem 19. Jahrhundert verschollen sind.
Einen Eindruck, wie Schrecks Plinius Indicus hätte aussehen können, gibt die wesentlich kleinere Flora Sinensis (1656) des polnischen Paters Michael Boym. Es ist die erste anschauliche Darstellung von chinesischen Pflanzen und Tieren, die in Europa bekannt geworden ist. Die Pflanzenbilder in China Illustrata (A. Kircher) stammen aus der Flora Sinensis:

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Ananas

Die genannte Frucht wird von den Chinesen Fanpolomie, von den Indern Ananas genannt und kommt in den südlichen Reichen Guangdong, Guangxi, Yunnan, Fujian und auf der Inser Hainan reichlich vor; sie soll von Brasilien nach Ostindien gebracht worden sein ... Ich weiß fürwahr nicht, ob sie nicht an Geschmack und Form alle anderen indischen Früchte übertrifft.

 

       

Pierre Sonnerat - Reise nach Ostindien und China

120 Jahre nach dem Erscheinen der Flora Sinensis hat der französische Naturforscher Pierre Sonnerat China bereist. Sein Buch "Reise nach Ostindien und China ..." (deutsche Übersetzung 1782) zeigt ihn als äußerst kritischen Beobachter Chinas und als vorzüglichen modernen Naturwissenschaftler:

Der Litschi ... Die Frucht ist eine ovale kugelichte Nuß ... Diese Nuss enthält eine Fleisch, das sehr gut zu essen ist; und mitten in diesem Fleisch liegt ein ovaler Kern ... (Diese) Frucht ist sehr angenehm, und eine der beßten im Lande; wenn sie reif ist, hat sie eine röthlichgelbe oder röthlichte Farbe. Die Chineser trocknen dieselbe in Backöfen, um sie aufzubehalten; und so zubereitet wird sie zu einem Gegenstand des Handels.

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Ausstellung in der Bibliothek der Fachhochschule Konstanz 2000-2001