China als Vorbild
Chinabegeisterung und Chinamode in Europa



Tapisserie. Die Astronomen, Frankreich, Anfang 18.Jhd., rechts Adam Schall, links von ihm der Kaiser  

Nachwirkungen der Werke der Missionare - China als Vorbild

Mit Erstaunen erfuhr man in Europa aus den Schriften Matteo Riccis, Martino Martinis, Athanasius Kirchers, Jean Baptist Du Haldes und anderer Missionare, dass es im fernsten Osten ein Land gab, dessen fremdartige Kultur der europäischen ebenbürtig, ja in mancher Hinsicht überlegen war. Eineinhalb Jahrhundete wirkten diese Schriften im europäischen Geistesleben nach und beeinflussten Philosophie, Kunst und Literatur.

 

Tapisserie. Die Ananasernte, Frankreich, Anfang 18. Jhd.  

Gottfried Wilhelm Leibniz

Unter den deutschen Gelehrten, die das Chinabild der Jesuiten übernommen, verbreitet und ihr Wirken verteidigt haben, steht Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) an erster Stelle. In einer westöstlichen Kultursynthese, gegenseitiger Achtung und religiöser Toleranz sah er die Grundlagen einer friedlichen und humanen Gesellschaft, die er im konfuzianischen China weitgehend verwirklicht sah und die er dem durch Macht und Religionskriege zerrissenen Europa als Vorbild empfahl.

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Tapisserie. Der Markt, Frankreich, Anfang 18. Jhd., Phantasiechinesen verkaufen Vasen  

Voltaire

Mittelpunkt der Chinabegeisterung im 18. Jahrhundert war der französische Schriftsteller und Aufklärer Voltaire (1694-1778). Ausgehend von dem idealisierten Chinabild Du Haldes und radikaler noch als Leibniz verkündete er China als Modell eines auf Vernunft gegründeten Staatswesens, und gleichsam als Stifterfigur der europäischen Aufklärung schmückte sein Arbeitszimmer in Ferney bei Genf ein großes Porträt des Konfuzius.

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Schloss Charlottenburg, Berlin, Porzellankabinett 1706, nach dem 2. Weltkrieg restauriert  

Interesse an chinesischer Kunst und Kultur - das Porzellan

Die neuen Schriften aus und über China und nicht zuletzt der aufblühende Handel mit Ostasien erregten ein lebhaftes Interesse an chinesischer Kultur und Kunst. Zahlreiche europäischen Fürsten sammelten Kunstwerke aus dem Chinahandel, und mit Eifer, aber lange ohne Erfolg versuchte man in Europa das viel bewunderte chinesische Porzellan nachzuahmen, bis endlich seit 1710 Johann Friedrich Böttger in Meißen ein Porzellan herstellte, das in seiner Qualität mit dem chinesischen vergleichbar war.

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Cembalo der preußischen Königin Sophie Charlotte, um 1700, Schloss Charlottenburg, Berlin  

Chinoiserie

Zahllos sind die Nachahmungen chinesischer Motive auf Porzellan, Wandteppichen und Möbeln in der europäischen Kunst des Barock und Rokoko, in den chinesischenglischen Gärten mit ihren Brücken, Grotten und Pagoden, welche man als "Chinoiserie" oder "Chinamode" kennzeichnet.

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Sammlung ostasiatischen Porzellans im Dresdner Zwinger, importiert 1. Hälfte des 18. Jhd.  

Goethe überträgt chinesische Gedichte

In der Barockliteratur, in Romanen, Schauspielen und Opern, erschienen nun chinesische und tatarische Helden und Harlekine, und kein geringerer als Goethe, der den Atlas Martinis und Du Haldes Chinabeschreibungen aus der Weimarer Hofbibliothek kannte, machte in einem kurzen Gedichtszyklus "Chinesisches" (1827) als erster Versuche einer Übertragung chinesischer Dichtung in das Deutsche.

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Bechervase, Meissen 1726, bemalt von J. G. Höroldt für den sächsischen König August den Starken   Vase mit Chinesenköpfen, Frankreich, 1780   Deckelvase, Worchester, um 1765   Pottpourri, vergoldete Bronze, Paris, Mitte des 18. Jhd. Zurück zum Seitenanfang
Grosse Deckelvase, China, Zeit des Kaisers Kang Xi (1662-1722), heute Zwinger, Dresden   "Pflaumenvase", China, 1. Viertel 15. Jhd., heute Zwinger, Dresden   "Dragonervase", China, Zeit des Kaisers Kangxi (1662-1722), heute Zwinger, Dresden   Deckelvase, China, Zeit des Kaisers Kangxi (1662-1722), heute Zwinger, Dresden  

Ausstellung in der Bibliothek der Fachhochschule Konstanz 2000-2001