Giulio Aleni - 'Weltbeschreibung' (1623)
Was erfuhr man damals in China über Deutschland?


Giulio Alenis Weltbeschreibung 1623

Pater Matteo Ricci (+1610) brachte nicht nur das Christentum nach China, sondern auch die ersten geographischen Kenntnisse von Europa. Sein Gefährte, der Spanier Diego Pantoia, verfasste zu Riccis Weltkarten eine Beschreibung, die der Italiener Giulio Aleni erweiterte und 1623 in Hangzhou als kleines geographisches "Lehrbuch" mit Karten aller Kontinente herausgab. Was erfuhren die Chinesen daraus über Deutschland?

Was erfuhr man in China über Deutschland?

Nordöstlich von Frankreich gibt es ein Land namens Germania ... Die Königswürde ist nicht erblich, sondern (der König) wird von den Fürsten der sieben großen Bundesstaaten dort gemeinsam erwählt; ... doch erst muss man die Genehmigung des Papstes einholen, um ihn einzusetzen. Neunzehn Universitäten wurden im Lande errichtet. Das Klima dort ist in den Wintermonaten sehr kalt. Man versteht gut, die Zimmer warm zu machen; mit nur wenig Feuer heizt man sie, dass sie sehr warm werden. Die Bewohner ... sind (als Soldaten) sehr treu, zuverlässig und tüchtig ... Im Handwerk sind sie sehr geschickt und in der Anfertigung von Maschinerien ganz hervorragend.

 

       

Schlittschuhe

Die ehrwürdigen Patres werden sicher die etwas boshafte Auswahl der Zitate verzeihen:

Hinsichtlich des Bodens gibt es viel Wasser und Sumpf. Wenn das Eis fest geworden ist, verwenden die Leute häufig auf dem Eise eine Art Holzschuh, den man an beiden Füßen trägt. Mit einem Fuß steht man auf dem Eis, mit dem anderen schlägt man nach hinten aus; die Glätte benutzend, kommt man mit einem kräftigen Stoß mehrere Fuß vorwärts ...

Die Franken - seltsame Leute

Es ist schade, dass Pantoia und Aleni nicht auch eine Charakterisierung der Schwaben oder Konstanzer versucht haben:

Ferner gibt es da das Land Franken. Die Bewohner sind bieder, aufrecht und leichtgläubig. Wenn Reisende vorbeikommen, dann schimpfen sie auf diese ohne weiteres; reagiert der Fremde nicht, sind sie sehr erfreut, laden ihn ein, näher zu treten und richten Wein und Speisen her und stehen ihm mit Rat und Tat zur Seite, wenn er sich in Not befindet. Ist er noch unbeweibt, dann geben sie ihm eine Frau und sagen: 'Dieser Mann ist schon erprobt, man kann ihm trauen'.

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Ein großer Irrtum

Der folgende Irrtum zeigt, dass die Chronisten wohl doch noch nie in Deutschland waren. Sicher aber waren die Chinesen beeindruckt:

Es gibt viele Weintrauben, und man versteht gut, Wein zu machen. Man verkauft ihn an die Reisenden aus anderen Gegenden; die Einheimischen selbst bringen keinen Tropfen über ihre Lippen, sondern trinken nur Wasser und weiter nichts.

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Ausstellung in der Bibliothek der Fachhochschule Konstanz 2000-2001