Johann Adam Schall von Bell
Moderne Wissenschaft - alter Glaube







 

1630 schrieb Schrecks Nachfolger im Kalenderamt, der Kölner Johann Adam Schall von Bell (1592-1666), das Buch Yuan qing shuo, "Traktat über das Fernrohr".

Entdeckungen Galileis - Weltbild des Tycho Brahe

Auf den Kopien erkennt man ein galileisches Fernrohr, Mondgebirge, die Bahn der Sonne über dem Horizont mit Sonnenflecken und ein vereinfachtes Planetensystem nach der Theorie des dänischen Astronomen Tycho Brahe (1546-1601). Nach Brahes Vorstellung ruht die Erde im Mittelpunkt des Universums; die Sonne und der Mond kreisen um die Erde und die Planeten um die Sonne. Die Kirche hat dieses System toleriert, da es die Erde im Zentrum der Schöpfung belässt. Und so kam diese Theorie durch die Jesuiten bis nach China.

Welches Weltbild hatten die Missionare?

Doch was haben diese wirklich geglaubt? Ohne Zweifel waren manche von ihnen Kopernikaner. Natürlich konnten sie sich nicht offen zu Kopernikus oder Galilei bekennen, dessen Zensur durch die Inquisition im Februar 1616 sicher viele von ihnen enttäuscht hat, nicht zuletzt Johannes Schreck. Vielleicht hätte Galilei dem diplomatischen Rat seines Verehrers folgen sollen, der im April 1616 in einem Brief an seinen Freund Faber in Rom schrieb:

... Ich wundere mich, dass Herr Galilei so hartnäckig auf der Erdbewegung besteht, als ob es nicht ausreichte zu sagen, dass dies eine Hypothese sei, die bei astronomischen Berechnungen gute Dienste leistet. Lassen wir doch ihren Wahrheitsgehalt dahingestellt.

 

Nikolaus Kopernikus (1493-1543)

Erster Vertreter des heliozentrischen Systems in der Neuzeit. Seine von Kepler, Galilei und später von Newton (1643-1727) weiter entwickelte Theorie löste einen 200-jährigen, heftigen Streit unter Astronomen und Theologen aus.

   

Galileo Galilei (1564-1642)

Italienischer Physiker und Astronom und Kollege Johannes Schrecks in der "Accademia dei lincei" in Rom. Verbittert wegen seiner Zensur

durch die Inquisition im Febr. 1616 verweigert er wahrscheinlich deshalb Johannes Schreck seine Hilfe bei der chinesischen Kalenderreform

   

Johannes Kepler (1576-1630)

Protestantischer Mathematiker und Astronom aus Württemberg, berühmt durch die "Keplerschen Gesetze" der Planetenbahnen, unterstützte großmütig die katholischen Missionare bei der chinesischen Kalenderreform, indem er seine "Rudolfinischen Tafeln" (1627) auf den Weg nach China brachte.

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"Heilige Dogmen" auch in China

Natürlich gab es starrsinnige Verteidiger der heiligen Dogmen der Vergangenheit nicht nur in Rom. Als Kaiser Shunzhi, der Schall wie einen Großvater verehrt hatte, 1662 starb, kam der ausländerfeindliche Kanzler Aobai an die Macht. Zwei einflussreiche, "gelehrte" Beamte nutzten die Gelegenheit und klagten die Jesuiten einer gefährlichen Religion und einer falschen Astronomie an. Schall von Bell wurde ins Gefängnis geworfen und entging nur knapp seiner Hinrichtung. Die beiden traditionsbewussten "Astronomen" machten nun aus dem chinesischen Kalender ein Chaos.

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Das alte Observatorium in Peking

Man erkennt die von Ferdiand Verbiest seit 1674 konstruierten Instrumente. Das Loch in dem kleinen Turm links diente für ein Reisigfeuer in kalten Nächten. Der Kupferstich aus Du Haldes "Description de la Chine" (1736) wurde im 18. Jhd. in Europa zu dem Bild eines Observatoriums schlechthin.

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Vorhersage der Sonnenfinsternis vom 30.04.1669

der Verfasser ist Ferdinand Verbiest. Das grosse Diagramm bezieht sich auf die Hauptstadt Peking, die übrigen auf die Provinzhauptstädte. Die chinesischen und mandschurischen Texte entsprechen sich.

 

Kaiser Kangxi - Abschluss der Kalenderreform durch Ferdinand Verbiest

1668 übernahm der junge Kaiser Kangxi die Herrschaft, entließ den Kanzler und stellte die beiden Sternkundigen zur Rede. Ihre Antwort lautete:

Wie könnte Seine Majestät, der Kaiser, der sich zu den Prinzipien der altehrwürdigen Heiligen ... bekennt, sich gegen eine solche Tradition stellen und statt dessen an den Kalender der Katholiken glauben?

Doch der Kaiser ließ sich nicht beeindrucken. Er rehabilitierte die Missionare und beauftragte Ferdinand Verbiest (+1688) mit dem Abschluss der Kalenderreform.

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Ferdinand Verbiests astronomische Instrumente (seit 1674)

     
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Ausstellung in der Bibliothek der Fachhochschule Konstanz 2000-2001