Johannes Schreck-Terrentius Constantiensis
Wissenschaftler und Chinamissionar



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Ende und Würdigung

 

Opfer eines medizinischen Selbstversuchs?

Tief war die Bestürzung unter den Missionaren und ihren chinesischen Freunden, als Johannes Schreck am 11. Mai 1630 nach kurzer Krankheit starb. Wir haben Grund zur Vermutung, dass er das Opfer eines medizinischen Selbstversuchs geworden ist. ... Ihn tötete eine Medizin, die man ihm zu seiner Heilung gegeben hatte.

Im Archiv des Jesuitenordens in Rom findet sich ein Jahresbericht auf Portugiesisch über den Tod und die Bestattung des Johannes Terrentius. Wir geben ihn hier zum ersten Mal auf Deutsch wieder:

 
 

" ... in vielen Künsten und Wissenschaften bewandert"

... In der Niederlassung in Peking verstarb der aus Konstanz in Deutschland stammende Johannes Terrentius. Im Alter von nur 54 Jahren, von denen er nach vier Gelübden 20 in (unserem) Orden verbrachte, ging er in ein besseres Leben ein. Er war ein Mann, der in vielen Künsten und Wissenschaften bewandert war, insbesondere in der Mathematik. Da er erkannte, welchen großen Dienst er damit unserem Herrn im Kaiserreich (China) leisten konnte, erbat und erhielt er von Eurer Paternität (dem Ordensgeneral der Jesuiten) die Erlaubnis, (nach China) zu kommen. Er verzichtete auf die große Ehre und Autorität, die ihm von zahlreichen Fürsten in Europa zuteil wurde, welche den dringenden Wunsch hegten, ihn für ihre Provinzen und Residenzen zu gewinnen. Mit großer Hingabe widmete er sich dem Studium der Sprachen und dem Schrifttum und ´ erwarb darin solche Kenntnisse. dass er in der Lage war, eine Reihe von Werken zum Ruhm und Ansehen des Ordens zu übersetzen.

 

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Ein schwerer Verlust - eine würdige Bestattung

Es gefiel unserem Herrn, ihn zu sich zu rufen, als er uns wegen der Kalenderreform, die Dr. Paulus (Xu Guangqi) uns aufgetragen hatte, besonders unverzichtbar erschien. Wegen seiner großen Gelehrsamkeit auf diesem Gebiet hatte Dr. Paulus volles Vertrauen in ihm. Deshalb und wegen zahlreicher anderer wichtiger Aufgaben, die man ihm aufgetragen hatte, wurde er von allen hoch geschätzt.

Sein Tod erregte eine große Betroffenheit und wurde von allen Christen und verschiedenen hohen heidnischen Beamten des Kaisers beklagt. Alle boten mit Geldspenden and Almosen ihre Hilfe für das Begräbnis an, das in diesem Kaiserreich dem Brauch entsprechend nicht wenig kostet. Der Pater erfreute sich unter den Christen einer großen Wertschätzung. Sie trugen ein Kreuz voraus und zogen mit Kerzen und Rosenkränzen in den Händen von unserer Residenz bis zu dem Ort außerhalb der Mauern, den früher der Kaiser für das Begräbnis des Paters Ricci zur Verfügung gestellt hatte. Dort wurde er mit einer Messe und den Begräbniszeremonien, an denen alle teilnahmen, bestattet.

   
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Seine Grabinschrift - "ein hervorragender Gelehrter auf allen Gebieten der Wissenschaft"

Mehr als zwei Jahrhunderte lang befand sich sein Grab auf dem Friedhof Zhalan, bis dieser 1900 im Boxeraufstand und wiederum 1966 und 1973 während der Kulturrevolution verwüstet wurde. Von 1979 bis 1984 hat man die Grabsteine restauriert und in einer Ehrfurcht bezeugenden Weise wieder aufgestellt. Die chinesische und lateinische Grabinschrift enthält eine kurze Würdigung von Schrecks Persönlichkeit und seines Werks:

D.O.M. P. Johannes Terrentius Constantiensis Germanus Societatem Jesu professus, vixit in ea XIX annis, et IX in Sinica Missione, vir in omni scientia egregie doctus, et germanae sinceritatis tenacissimus, cum Sinensi calendario initium faceret, vitae posuit finem, Pekini die XI Maii A.C. MDCXXX aetatis suae LIV.

"Der deutsche Pater Johannes Terrentius aus Konstanz, der 19 Jahre dem Jesuiten-Orden angehörte und neun Jahre in der China-Mission tätig war, ein hervorragender Gelehrter auf allen Gebieten der Wissenschaft und von einer echten, unbeugsamen Aufrichtigkeit, beschloss, während er die chinesische Kalenderreform in die Wege leitete, sein Leben in Peking am 11. Mai im Jahr Christi 1630 im 54. Lebensjahr."

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Ausstellung in der Bibliothek der Fachhochschule Konstanz 2000-2001
Eine Bröschüre mit Literaturangaben erhalten Sie kostenlos. E-Mail: zettl@fh-konstanz.de