Martino Martini - 'Novus Atlas sinensis' (1655)
die Kartographie Chinas im 17. Jahrhundert



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Die Kartographie Chinas im 17. Jahrhundert

 

Die herausragende Leistung in der Kartographie Chinas im 17. Jahrhundert ist der "NOVUS ATLAS SINENSIS" (1655) des Südtiroler Jesuitenpaters Martino Martini (1614-1661).

 
 

Matteo Riccis Weltkarten

Bereits Matteo Ricci hatte für den chinesischen Kaiser vier Weltkarten angefertigt, die, basierend auf europäischen Karten von A. Ortelius und G. Mercator, den Chinesen die erste klarere Vorstellung von Europa und Amerika vermittelten. Zur genauen Darstellung von China verwendete Ricci chinesisches Material. Da Riccis Karten auch in Europa Verbreitung fanden, erhielt man hier im Gegenzug ein präziseres geographisches Bild von Ostasien.

 

 

Martinis Atlas - die erste große Landeskunde Chinas

Martino Martini bereiste sieben Provinzen Chinas, führte zahlreiche astronomische Ortsbestimmungen durch und sammelte Material zur Geschichte und Landeskunde. Mit seinen 171 Folio Textseiten zur Landeskunde Chinas und einem Anhang von Tabellen mit Längen, Breiten und Distanzangaben aller in der Veröffentlichung vorkommenden Städte geht der Atlas Sinensis weit über den Rahmen eines bloßen kartographischen Werkes hinaus.

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Seine Vorlagen

Martinis Vorlage war der bereits 1311-1312 in der Blütezeit der chinesischen Kartographie entstandene Atlas der Provinzen Chinas von Ju Siben in einer Neubearbeitung aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Martini erweiterte und präzisierte die Angaben der chinesischen Vorlage. Seine Karten sind detailreicher und enthalten eine viel größere Anzahl von Siedlungen in verschiedenen Größenklassen, dazu die große Mauer, Festungen, Erzlagerstätten, Salinen, Seen und Gebirge.

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Veröffentlichung, Erfolg und Wirkung des Atlas sinensis in Europa

Auf seiner Europareise von 1653-1656 veranlasste Martini 1655 eine Veröffentlichung seines Werkes in Amsterdam in lateinischer und deutscher Sprache, auf die 1656 eine holländische und französische und 1658 eine spanische Ausgabe folgten. Martinis Darstellungen der Geschichte, der Wirtschaft und der Sitten und Gebräuche Chinas sind geprägt von Hochachtung vor der Kultur dieses Landes. Unschätzbar sind seine Verdienste um die Verbreitung des Wissens über China und eines sehr positiven Bildes seiner Kultur in Europa.

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Die große "Karte von China, der Tartarei und Tibet" (1718)

Die nächste Stufe in der Kartographie Chinas war die Landvermessung im Auftrag des Kaisers Kangxi seit 1688. Sie war eine Gemeinschaftsarbeit französischer Jesuiten und chinesischer Kartographen. 1718 wurde die große "Karte von China, der Tatarei und Tibet" dem Kaiser übergeben, die nach dem Urteil des Geographen Georg Wegener (+1939) als eine der größten Leistungen in der gesamten Geschichte der Kartographie zu bezeichnen ist.

 


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Ausstellung in der Bibliothek der Fachhochschule Konstanz 2000-2001